Zahlungsverkehrsexperte Dr. Ernst Stahl vom Forschungsinstitut ibi research an der Universität nahm Anfang März an einem großen Wirtschaftskongress in Teheran teil und war von der Aufbruchstimmung im Iran angetan.

Von Robert Torunsky, Wirtschaftszeitung, www.die-wirtschaftszeitung.de

Teheran/Regensburg. Seit dem 16. Januar ist der Export von iranischem Öl und Gas in die EU wieder erlaubt. Dies ist ein wichtiger Schritt aus der Isolation, doch viele weitere sind erforderlich. Essenziell ist auch, dass der Iran wieder am internationalen Zahlungsverkehr partizipiert, von dem das 80-Millionen-Einwohner-Land während der Sanktionen weitestgehend abgeschnitten war. „Der Zahlungsverkehr ist das Öl auf den Zahnrädern jeder Wirtschaft“, stellt Dr. Ernst Stahl die Bedeutung heraus. Der Direktor von ibi research an der Universität Regensburg nahm von 5. bis 7. März am zweiten „Business Forum Iran Europe“ in Teheran teil und war beeindruckt von Land und Leuten. Der Zahlungsverkehrsexperte sprach am ersten Tag des internationalen Wirtschaftskongresses darüber, wie sich die Welt des Zahlungsverkehrs durch die SEPA-Umstellung sowie durch E- und M-Payment in Deutschland und Europa verändert hat. Am dritten Tag war Stahl bei Workshops des ibi-Partners EFiS (www.efis.de) einer der Ansprechpartner für alle Fragen zum internationalen Zahlungsverkehr, an den Banken und Unternehmen angekoppelt werden sollen. Da aufgrund des Embargos die dafür nötige Hardware noch nicht in den Iran exportiert werden darf, soll dies über virtuelle private Netzwerke letztlich in Frankfurt am Main erfolgen.

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Mit der Lage steigen auch die Preise: Im Norden Teherans auf 1700 Meter Höhe kostet der Quadratmeter durchaus bis zu 30 000 Euro. Foto: Stahl

Wie wichtig den Gastgebern die Veranstaltung mit weit über 1000 Teilnehmern war, lässt sich an der illustren Teilnehmerschar ablesen: Neben zahlreichen Ministern und dem Gouverneur der iranischen Zentralbank waren unter anderen auch Staatssekretär Matthias Machnig und der iranische Botschafter Dr. Ali Majedi aus Berlin anwesend. „Im Iran herrscht Aufbruchstimmung“, schildert Stahl seine Eindrücke. „Bei den Parlamentswahlen Ende Februar hat das gemäßigte Lager einen Erdrutschsieg errungen und der Iran möchte auch der Welthandelsorganisation WTO beitreten.“ Dazu müsste aber der Rechtsrahmen angepasst werden, beispielsweise sollten die gleichen Rechte für in- und ausländische Firmen gelten. „Der Iran will aber nicht nur Konsumgüter importieren, sondern Industrie ins Land holen.“ Auch hier müsse nachgebessert werden, denn bislang könnten nur Personen ein Unternehmen gründen, die auch über ein iranisches Konto verfügen – und das war bislang für Ausländer sehr schwierig.

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Markus Rupprecht (CSO der Traxpay AG) und Dr. Ernst Stahl waren beim „Business Forum Iran Europe“ in Teheran gefragte Experte. Foto: Maleki Group

Der Iran ist mit seinem angestrebten Wirtschaftswachstum von fünf Prozent gerade für Unternehmen aus der Bundesrepublik nicht nur als Exportland, sondern auch als Produktionsstandort höchst interessant. Das hat vielerlei Gründe: Das Land verfügt zwar mit über die größten Erdöl- und Erdgasreserven der Welt, ist aber dennoch nur zu 20 Prozent von seinen reichlich vorhandenen Rohstoffen wirtschaftlich abhängig. Ein exzellentes Bildungssystem sichert Fachkräfte, das niedrige Durchschnittsalter der Bevölkerung – rund 65 Prozent der Bevölkerung sind unter 35 Jahren –, das Fehlen der Islamisten-Miliz IS und die im Vergleich zu muslimischen Nachbarstaaten deutlich höhere Akzeptanz von Frauen in der Gesellschaft machen den Iran richtungsweisend für den gesamten Nahen Osten.

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Eine Wechselstube in der iranischen Hauptstadt: Für 50 Euro gibt es rund 1,9 Millionen Rial. Foto: Stahl

„Im inländischen Zahlungsverkehr ist der Iran gut aufgestellt. Bei einer ähnlichen Einwohnerzahl wie in Deutschland gibt es ein effizientes Point-of-Sale-System mit 4,2 Millionen Terminals – in Deutschland sind es 750 000“, so Stahl. „Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass die größte Banknote von 100 000 Rial nur etwa 2,60 Euro wert ist – und das bei einem Wechselkurs von 1:38 000.“ Aufgrund der hohen Inflation ist das in Europa erst angestrebte Instant Payment, also Zahlungen in Sekundenschnelle, ebenfalls bereits gelebte Realität und auch das Mobile Banking erfreut sich größter Beliebtheit. „Es gibt in Teheran fast überall WLAN und die Restriktionen werden weniger. Portale wie Facebook oder Spiegel Online sind noch gesperrt, aber ich konnte das E-Paper der Wirtschaftszeitung lesen und das Fußballspiel Bayern München gegen Dortmund im öffentlichen Fernsehen ansehen“, berichtet der Forscher von seiner Freizeitgestaltung im Hotel. Für Stahl das ein weiteres Indiz seines positiven Gesamteindrucks. „Die Iraner warten auf uns, denn Deutsche sind dort die beliebtesten Ausländer und gerade das Ingenieurwesen genießt hohes Ansehen. Ich kann an die deutsche Wirtschaft nur appellieren, das Land als wichtiges neues Exportziel zu adressieren.“

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Armin Gerhardt, Vorstandsvorsitzender der EFiS EDI Finance Service AG, bietet aus dem Mittelpunkt Europas seinen Kunden weltweit service- und prozessorientierte Zahlungsverkehrslösungen an. Foto: Maleki Group